“Du hast gestern gar nichts gemacht? Nicht mal ein wenig Hausarbeit? Wie faul bist du denn!”

Leider setzen viele Menschen Nichtstun mit Faulheit gleich. Wieso allerdings nicht jeder automatisch faul ist, wenn er einfach mal die Beine hochlegt und weshalb viele Menschen so denken, erklären wir euch in diesem Beitrag.

Leistungsdruck von klein an

Wer kennt es nicht? Sätze wie: “Mein Kind kann schon von alleine krabbeln!”, “Er kann sein Fläschchen schon alleine halten!” oder “Er kann schon Mama und Papa sagen!”.

Schon im Säuglingsalter sind viele Kinder einem Konkurrenzdenken der Eltern ausgesetzt. Bevor man dann in die Schule kommt, wird bereits ein Instrument gelernt, im Kindergarten wird Englisch angeboten und in einen Sportverein muss es natürlich auch gehen. Immerhin machen es die Nachbarskinder ja auch so. Und mit denen möchte man natürlich mithalten!

Eltern, die ihre Kinder derart auf Leistung trimmen, bereiten ihnen einen sehr stressigen und mühsamen Lebensweg. Schaffen es die Kinder im Jugend- oder Erwachsenenalter nicht, diese Strukturen nicht zu hinterfragen, geraten sie in genau jenes Problem, welches wir in diesem Beitrag ansprechen.

Nur wer arbeitet, bekommt Ansehen und Respekt

So ist es leider hier in Deutschland. Nicht umsonst sind wir auch das Land der Neider. Wer keinen 40 h Job hat, im Schichtdienst oder auch an Wochenenden arbeitet, ist in den Augen vieler Leute faul und hat keine Lust auf Arbeit. Selbiges gilt für Selbstständige und Personen, welche ihre Arbeit von zu Hause aus verrichten. Hinzukommen natürlich auch Hausfrauen und -männer. Schließlich können sich diese Personen ihre Arbeit frei einteilen. Können Pausen nach belieben machen und “kommen” und “gehen” wann sie wollen. Die Realität sieht natürlich gänzlich anders aus. Und seien wir mal ehrlich, aus den meisten Menschen spricht doch einfach nur der Neid. Sie sind mit ihrem Leben und/oder ihrer Arbeit unzufrieden und müssen es eben an anderen auslassen. Auch wenn dieses Verhalten die eigene Situation kein Stück bessert. Wenn du mit deinem Job nicht zufrieden bist, gibt es nur eine Person, die diesen Zustand ändern kann: du selbst!

Heutzutage bekommt man mehr Aufmerksamkeit für das, was man hat, als für der, der man ist! Dabei sollte es eigentlich andersherum sein.

Entspannen – schwerer als man denkt

Ich kenne Menschen, welche sich richtig schlecht fühlen, wenn sie mal einen Tag lang nichts gemacht haben. Viele von ihnen fangen dann am Abend noch mit Hausarbeit an, müssen irgendetwas putzen oder aufräumen. Sie bekommen ein schlechtes Gewissen und denken, der Tag sei absolute Verschwendung gewesen. Doch was ist eigentlich so schwer daran, einfach mal nichts zu machen? Es ist absolut legitim, die Beine hochzulegen und zu entspannen. Etwas lesen, spazieren gehen, im Fernsehen etwas schauen oder einen langen Mittagsschlaf zu halten. Weshalb sie sich oftmals schlecht fühlen, haben wir bereits näher beleuchtet. Einfach mal nichts zu tun, kennen und können viele einfach nicht. Dabei braucht unser Körper selbstverständlich auch mal solche Tage.

Im Laufe der letzten Jahre habe ich mir ein Leben aufgebaut, welches es mir ermöglicht, auch mit wenig Arbeit und viel Freizeit angenehm zu leben. Mir reicht der Verdienst von 25-30 h Arbeit pro Woche, um alle Kosten problemlos decken zu können. Hierbei versuche ich immer wieder anderen Menschen aufzuzeigen, dass es definitiv möglich ist! Leider stehe ich mit dieser Einstellung auf verlorenem Posten. Immer wieder höre ich Sätze wie: “Als ich in deinem Alter war, habe ich jeden Tag 8 h gearbeitet und noch nebenbei studiert.”. Als sei es der Wunsch eines jeden Menschen, seinen gesamten Tag nur mit Arbeit und Schule/Studium zu füllen. Ich wiederum möchte mir einen Alltag aufbauen, der mir möglichst viel Zeit für mich, meine Familie und meinen Hobbys gibt. Und das hat absolut nichts mit Faulheit zu tun. Was nützt all die Arbeit und das Geld, wenn alle anderen Bereiche im Leben zu kurz kommen? Was nützen einem große Autos und teure Kleidungsstücke, wenn man keine Zeit mehr hat, sich mit seinen Kindern zu beschäftigen? Was nützen einem x-verschiedene Projekte, an denen man arbeitet, wenn keine Zeit mehr vorhanden ist, sich um seine Gesundheit und sein Wohlbefinden zu kümmern?

Längst haben Studien gezeigt, dass ein 4-6 h Arbeitstag deutlich produktiver ist, als unser gängiges 8 h-Modell. Der Körper ist einfach nicht mehr in der Lage, bei dieser Stundenanzahl angemessen und konstant gute Leistung zu bringen. Bis sich dies jedoch hierzulande durchsetzt, wird wohl noch viel Zeit vergehen. Schließlich möchte man ja nicht als faul bezeichnet werden!

Löse dich von gesellschaftlichen Zwängen und Vorgaben

Worauf kommt es in deinem Leben mehr an: Dass du zufrieden und glücklich bist oder dass die Menschen um dich herum mit dir zufrieden und glücklich sind? Sicherlich ist beides wichtig. Doch dürfen wir hierbei nicht vergessen, dass all die Arbeit sämtliche soziale Bereiche nicht ersetzen kann. Sie kann keine glückliche Familie, keine Gesundheit und keine Zufriedenheit ersetzen oder herbeiführen. Natürlich benötigen wir alle Geld zum Leben. Doch müssen es wirklich nur die teuren und großen Anschaffungen sein? Gibt es vielleicht Dinge, die man doch gar nicht benötigt?

Letztendlich muss diese Fragen jeder für sich selbst beantworten. Doch eines sollte man nie vergessen: Baue dir ein Leben auf, auf das du später einmal nicht zurückblickst und dir wünschst, hätte man es doch nur anders getan. Denn dann wird es zu spät sein.