Sich rein pflanzlich zu ernähren ist in den letzten Jahren immer beliebter geworden. Natürlich sind auch hier viele große Firmen auf diese Lebensweise aufmerksam geworden und bieten mittlerweile eine enorme Produktvielfalt an. Sollte man auch von diesen Firmen Produkte kaufen? Was ist mit Obst und Gemüse aus weit entfernten Ländern und ist die Einstellung “Vegan um jeden Preis” vertretbar? Hier möchten wir etwas Licht ins Dunkel bringen!

Nicht alles was glänzt ist Gold

Den Schritt zu gehen und auf eine rein pflanzliche Ernährung umzusteigen ist natürlich ein guter Anfang. Und mittlweile wird man ja von unzähligen Produkten und Angeboten nahezu erschlagen. Hier kann man nicht nur schnell den Überblick verlieren, sondern auch mitunter sein gesamtes bisheriges Essverhalten mit pflanzlichen Produkten austauschen. Es gibt vegane Wurst, Würstchen, Käse, Aufstriche aller Art, Chips und Süßigkeiten, Pizzen und Burger, Milch, Joghurt, Quark usw. Hier fällt natürlich schnell auf, dass auch die großen Firmen mitmischen wollen. Firmen, welche unter fragwürdigsten Methoden und Arbeitsbedingungen ihre Produkte herstellen lassen, welche überhaupt keinen Wert auf ihre Umwelt legen und in der Vergangenheit immer wieder kritisiert wurden. Macht es nun Sinn, auch von solchen Firmen Produkte zu kaufen? Ja und nein.

Auf der einen Seite kann man natürlich sagen, dass es definitiv Sinn macht, auch diese Lebensmittel zu kaufen. Immerhin werden die Anbieter dann darauf aufmerksam, dass der Absatz rein pflanzlicher Produkte steigt und sie dann eventuell mehr und mehr darauf umsteigen und weniger tierische Produkte anbieten. Ein sehr gutes Beispiel hierfür ist die Rügenwalder Mühle. Seit 2014 produzieren sie nun vegetarische und vegane Produkte. Aktuell sind sie mit einem Marktanteil von fast 40 % führend in Deutschland bei Fleischalternativen. Und genau hier haben die Verbraucher gezeigt, dass sie mit ihrem Kosnum großes bewirken können und auch große Firmen ihr Angebot anpassen und optimieren.

Auf der anderen Seite ist es jedoch fraglich, ob diese Sichtweise auch bei Firmen wie Nestlé oder Unilever Anwedung findet. Ich persönlich bin der Meinung, dass es solchen Firmen einzig und allein um den Umsatz geht. Pflanzliche Produkte anzubieten ist reine Strategie um nach Außen eine gute Wirkung zu erzielen. Themen wie Nachhaltigkeit, Tierschutz, Arbeitsschutz und Menschenrechte stehen hier vermutlich nich an oberster Stelle. Und aus diesem Grund werde ich auch weiterhin auf solche Dinge verzichten und vorher ganz genau hinschauen, welche Firma unter welchen Bedingungen herstellt. Einfach nur kein Fleisch zu verarbeiten reicht eben nicht aus, um vegan lebende Menschen von sich zu überzeugen und nach Außen hin und einen guten Eindruck zu hinterlassen!

Obst und Gemüse saisonal kaufen

Wie oft habe ich nun schon im Supermarkt zu Äpfeln aus Deutschland gegriffen und direkt daneben lagen welche aus Neuseeland. Obst und Gemüse bilden natürlich die Grundlage einer pflanzlichen Ernährung. Aber auch hier sollte man ganz genau hinschauen, was wo herkommt. Natürlich ist es löblich auf tierische Produkte zu verzichten. Wenn dies jedoch bedeutet, dass ich Äpfel aus mehreren Tausend Kilometern Entferung kaufe, dann sollte auch diese Sichtweise stark hinterfragt werden. Schließlich gibt es noch weitere wichtige Aspekte einer veganen Lebensweise und eben nicht einfach nur auf tierische Produkte zu verzichten. Themen wie Nachhaltigkeit, Umweltschutz und ökologischer Fußabdruck sollten nie vernachlässigt werden. Da nützt es dann eben nicht viel, auf Fleisch zuverzichten, dann aber Obast und Gemüse von anderen Kontinenten zu kaufen, einfach nur damit man sagen kann “Ich leben vegan”.

So ist es nicht verwunderlich, dass es immer mehr Anbieter gibt, welche viele Einblicke in ihre Arbeitsweise geben. Mehr und mehr Projekte, bei denen mit einheimischen Bauern zusammengearbeitet wird etablieren sich. Auch Fairtrade ist in aller Munde. Aber auch hier wird man wieder vor die Wahl gestellt:

  • Ist es sinnvoll Obst, Gemüse, Nüsse, Samen und Getreide von Faitrade Anbietern zu kaufen, auch wenn dies bedeutet, dass sie trotzdem einen weiten Lieferweg haben – oder
  • Fairtrade hin oder her: Der lange Lieferweg ist ökologisch betrachtet eine Katastrophe und sollte auf keinen Fall unterstütz werden.
  • Und was ist mit Bio Produkten aus dem Ausland? Sind diese besser als regionale, die jedoch nicht Bio sind?

Ganz so einfach ist die Antwort auf diese Frage nicht.

Fairtrade Produkte werden natürlich sehr häufig von kleinen Betrieben und einheimischen Arbeitern gefertigt und angebaut. Oftmals haben diese Leute kaum eine andere Wahl als diese Arbeit und genau deswegen gibt es auch oftmals furchtbare Arbeitsbedingungen. Was sollten schließlich auch anderes machen? Natürlich macht es dann Sinn, diese Menschen zu unterstützen und etwas mehr Geld für diese Produkte auszugeben, selbst wenn dies bedeuten würde, dass die eine lange Anfahrt haben. Wer jedoch auschließlich auf den ökologischen Fußabdruck achtet, sollte dies dann meiden.

Ein gutes Beispiel dafür ist Kako. In dem Supermarkt in dem ich einkaufen gehe, gibt es einen Anbieter für Fairtrade Kakao. Die Firma gibt viele Einblicke in die dortige Arbeitsweise und die Bauern werden angemessen bezahlt. Auch wenn ich Kakao jeden Tag nutze, ist mir dennoch bewusst, dass er ökoligisch betrachtet eine Katastrpohe ist. Für die Herstellung von 100 Gramm Schokolade braucht man durchschnittlich 1700 Liter Wasser. Hier versuche ich dann den “enstandenen Schaden” zu reduzieren und sage mir dann: “Wenn ich schon Kakao kaufe, dann wenigstens in Bioqualität und Fairtrade!”. Trotzdem bleibt der lange Lieferweg und der hohe Bedarf an Ressourcen.

Ein ganz anderes Thema ist die Frage von Bio aus dem Ausland oder günstige, lokale Anbieter. Hier sollte einfach jeder für sich abwägen, worauf mehr Wert gelegt werden sollte.

  • Die Bioqualität ist mir am Wichtigsten. Selbst dann, wenn die Produkte aus dem Ausland kommen.
  • Ob die Produkte nun Bio sind oder nicht spielt für mich keine Rolle. Ich kaufe ausschließlich regional.

Jenachdem worauf man nun mehr Wert legt, wird hierbei die Entscheidung beeinflussen. Ich persönlich achte zunächst immer erst darauf, ob die Produkte gerade Saison haben oder nicht. Dann schaue ich auf die Herkunft und dann erst, ob sie Bio sind oder nicht. Aktuell Saison oder nicht ► Herkunft ► Bio ja / nein

Dementsprechend würde ich auch Nicht-Bio-Produkte kaufen, wenn sie gerade Saison hätten. Ich würde jedoch im Winter keine Bananen kaufen, selbst dann wenn sie Bio oder Faitrade sind. Und deutsche Nicht-Bio-Äpfel sind mir lieber, als Bio-Äpfel aus dem Ausland.

Man kann es nicht allen recht machen

Wenn man dies so liest, hat man das Gefühl, an einer Dokotrarbeit zu sitzen. Es gibt so viele Dinge, auf die man achten solle:

  • welcher Hersteller
  • welche Arbeitsbedingungen
  • Bio oder Faitrade
  • Lieferweg
  • Saison oder nicht
  • welche Ressourcen werden für den Anbau / Herstellung benötigt

Hierbei sollte man aber eines nie vergessen: Man kann es nicht allen recht machen!

Es macht natürlich immer Sinn, auf so viele Punkte wie möglich zu achten. Manchmal jedoch fällt die Wahl sehr schwer. Wer eben gerne Bananen isst, wird vermutlich auch im Winter welche kaufen. Sind diese dann wenigsten Bio oder Fairtrade, ist das schon ein guter Ansatz. Auch ich möchte eben nicht auf mein Kakaopulver verzichten. Und auch wenn man viele Ersatzprodukte kaufen möchte, lohnt sich ein Blick auf den Hersteller. Auch dann, wenn sich die Zutatenliste liest, wie ein Beipackzettel. Wer dann hier den Fokus auf “hauptsache Fleischfrei” legt, hilft ja dennoch den Tieren, auch wenn er an anderen Stellen Abstriche machen muss. An welchen Stellen man jedoch diese Abstriche macht, muss nun jeder für sich selber festlegen. Würde man auf Alles achten wollen, dürfte man wohl nur noch Selbstangebautes essen. Schließlich könnte man auch sagen, dass diejenigen, die bei den großen Discountern ihre veganen und fleischlosen Nahrungs- und Lebensmittel kaufen, die dortigen Arbeitsbedingungen unterstützen. Und wir wissen alle, dass dort nur allzugern Praktikanten, Minijobber oder Auszubildende angestellt werden. Mit diesen Absoluten Ansichten wird man jedoch überall auf Umgereimtheiten stoßen. Es gibt immer Etwas, worauf man keine Rücksicht nehmen kann. Hier sind dann kleine Schritte aber immer noch um Längen besser, als einfach nur weiterzumachen und sich zu sagen: “Ich kann sowieso nicht allen helfen, dann kann ich es auch gleich sein lassen!”.