Von Löwen, Höhlenmenschen und einsamen Inseln [1]

In so mancher Diskussion mit einem Fleischfreund kann man mit Fakten, Daten, Studien, persönlichen Erfahrungen, Fachwissen und allerlei ethischen Argumenten um sich werfen wie man möchte – früher oder später kommt der Punkt, an dem das Gehirn des Gegenübers seinen Dienst quittiert und man sich plötzlich nur noch mit Wörtern wie Höhlenmenschen, einsamen Inseln und Löwen konfrontiert sieht. Entgegen aller Logik, sieht sich der scheinbar überlegene Fleischfresser nun absolut im Recht und kann gar nicht mehr aufhören, mit solch geistigen KO – Schlägen um sich zu hauen.

Aber ob man es nun glaubt oder nicht, genau solche Aussagen können mit ein wenig Logik und Nachdenken getrost als Humbug abgestempelt werden. Gehen wir nun einmal Schritt für Schritt die absoluten Klassiker durch.

Aber Löwen essen auch Fleisch

Nun, da hat jemand aber gut aufgepasst im Biologieunterricht. Zumindest gut genug, um zu wissen, dass Löwen Fleischfresser sind. Aber nicht gut genug, um zu wissen, dass diese Tiere auf meist nur eine Nahrungsquelle spezialisiert sind. Fällt diese Nahrungsquelle weg, sterben die Tiere. Ganz anders dagegen ist der Mensch. Er kann nahezu alles essen. Hinzukommt ein ganz wesentlicher Punkt: Löwen essen Fleisch, um zu überleben. Menschen essen Fleisch, weil es ihnen schmeckt. Niemand in den Industrieländern muss sterben, nur weil er aufhört Fleisch zu essen.

Aber mal eine ganz andere Frage: Was haben Löwen in Afrika denn mit Menschen hier in Europa gemeinsam? Der Mensch hat weder scharfe Krallen, noch Reißzähne (wir haben Schneidezähne) und verfügt über eine niedrige Jagdgeschwindigkeit, was das Erlegen von Beute sehr schwierig macht. Anders als Löwen können wir auch kein Aas verwerten. Ein wenig Schimmel reicht schon aus und die nächste Magen-Darm-Grippe steht uns bevor.

Wieso jedoch vergleichen sich Menschen immer wieder mit Löwen? Wieso denn nicht mit Zebras, Büffeln oder Nashörnern? Liegt es vielleicht daran, dass ein solcher Vergleich totaler Schwachsinn wäre? Und genau das ist der Punkt. Menschen sind keine Löwen! Sie sind auch keine Zebras, Nashörner, Fische, Wolken oder Autos. Menschen sind Menschen. Punkt. Nein, kein “Aber!” PUNKT! Menschen sind keine Löwen!

Pflanzen haben auch Gefühle

Mit einem Wort: NEIN. Pflanzen haben keine Gefühle. Um Gefühle verarbeiten und empfinden zu können, sind folgende zwei Dinge notwendig:

  • Gehirn
  • Zentrales Nervensystem (ZNS)

Pflanzen haben weder das Eine, noch das Andere. Pflanzen reagieren lediglich auf äußere Reize. Sie können diese wahrnehmen und reagieren mit verschiedenen Mechanismen:  sie senden einen Abwehrduft aus, sie schließen die Blätter oder – als fleischfressende Pflanze – fressen sie die Aggressoren einfach auf. Übrigens ein netter Gedanke!

Nehmen wir aber mal an, Pflanzen hätten tatsächlich Gefühle. Wäre es dann nicht furchtbar grausam, erst die Pflanzen zu töten und sie dann Tieren zu fressen zu geben, nur damit wir diese dann auch töten? Was Fleischesser oftmals vergessen: Die Tiere, die sie essen, leben nicht von Luft und Liebe. Auch sie werden mit Pflanzen gefüttert. Wie man sich jedoch nun vorstellen kann, benötigen Kühe, Schweine, Schafe oder Ziegen deutlich mehr zu fressen, als ein normaler Mensch. Und somit ist auch dieses Argument absoluter Unsinn und wieder nur eine weitere Ausrede!

Willst du Raubtieren auch das Fleischfressen verbieten?

Wieso sollte man das tun? Und überhaupt – was haben denn heimische Raubtiere wie Wolf, Fuchs oder Adler mit uns Menschen zu tun?

Ebenso wie Löwen sind auch diese Tiere auf eine einzige Nahrungsquelle spezialisiert. Anders als der Mensch es tut, halten sich Raubtiere ihre Beute auch nicht in riesigen Fabriken, mästen sie mit optimiertem Futter und spritzen ihnen massenhaft Antibiotika. Auch haben Wölfe und Co keinerlei Bewusstsein im Hinblick auf Moral und Gewissen, Mitleid, Nachhaltigkeit und Umweltbelastung.

Was haben also diese Tiere nun mit uns Menschen zu tun? Sind wir Menschen auch oberkrasse Raubtiere mit scharfen, langen Krallen und riesigen Reißzähnen? Legen wir uns auch, wenn es sein muss, stundenlang auf die Lauer, um das bestmögliche Schnitzel in der Fleischtheke zu ergattern? NEIN! Unser “Raubzug” sieht folgendermaßen aus: Wir steigen in unser Auto und fahren in den nächsten Supermarkt. Selbst dann, wenn dieser nur 5 Minuten Fußweg entfernt ist. Raubtiere legen auf ihrer täglichen Jagd teilweise mehrere Kilometer zurück. Am Supermarkt angekommen, steigen wir aus, nehmen uns einen Einkaufswagen und schlendern durch die Regale. Dann meckert man vielleicht mal rum, weil es die Lieblingswurst nicht gibt und geht etwas deprimiert weiter. Glücklicherweise gibt es noch mindestens 20 andere Sorten, sodass niemand hungrig nach Hause gehen muss. Welch ein Segen! An der Kasse angekommen, legen wir unsere unter größten Mühen erlegte Beute auf das Kassenband und bezahlen am Ende unserer Jagd. Welch ein Triumph!

Würdest du auf einer einsamen Insel stranden, müsstest du auch Fleisch essen, um zu überleben

Ja, die Augen trügen nicht. Es geht um einsame Inseln und die Frage: Tiere essen oder sterben?

Was tut also der havarierte Deutsche, nachdem er auf einer solchen Insel gestrandet ist? Ganz einfach: Er setzt unmittelbar seine gottgegebenen Jagdfertigkeiten ein und im Handumdrehen gibt es lecker Schnitzel und Würstchen. Immerhin stammen wir direkt von Löwen und Höhlenmenschen ab. Er beginnt sofort Fallen aufzustellen, Lockrufe zu imitieren, tarnt sich mit allen Mitteln der Kunst und wird nahezu eins mit seiner Umwelt. Vorausgesetzt: er ist ein Überlebensexperte und hat schon jahrelange Erfahrungen in den unterschiedlichsten Gebieten dieser Erde sammeln können. Und das trifft nun wirklich auf niemanden von uns zu. Wer schon einmal versucht hat, einen Hasen, ein Huhn oder ein Reh mit bloßen Händen einzufangen, weiß, wie anstrengend und nahezu unmöglich es ist. Es macht ebenso wenig Sinn, ca. 2000 kcal bei einer “Jagd” nach einer kleinen Echse zu verschwenden, die nur ca. 200 kcal liefert. Insofern lautet die wichtigste Frage nicht, welche Tiere wir essen, sondern ob wir überhaupt etwas zu essen finden oder fangen können. Hinzukommen die Suche nach einer trockenen und geschützten Unterkunft, nach trinkbarem Süßwasser und selbstverständlich – gibt es noch andere Überlebende?

Aber bleiben wir beim Thema und der Frage: Würden wir Tiere essen? Man stelle sich nun vor, der Einzige auf der gesamten Insel zu sein. Doch plötzlich läuft einem ein Huhn oder ein Schwein über den Weg. Natürlich könnte man diese nun essen, aber Hühner und Schweine sind Pflanzenfresser. Das würde bedeuten, es muss essbare Pflanzen oder Früchte auf der Insel geben. Diese zu suchen und zu pflücken ist deutlich energiesparender als eines der Tiere zu jagen, auszunehmen und zuzubereiten. Also verfolge ich diese Tiere und schaue, wo sie denn ihr Essen herbekommen. Ein anderer wichtiger Punkt ist die Frage nach Gesellschaft. Bin ich wirklich der einzig Überlebende, könnten die Tiere einen davor bewahren verrückt zu werden oder vor Einsamkeit einfach aufzugeben und auf den Tod zu warten. Mit der Zeit können sie Freunde werden, ja gar eine Familie. Im Film “Cast Away – Verschollen”  freundet sich Tom Hanks mit einem Volleyball an. Diesen kann man vielleicht nicht essen, aber es steckt wesentlich weniger Leben in solch einem Ball, als in einem lebendigen Tier. Somit ist es durchaus denkbar, dass eben diese Tiere Freunde werden können. Und seine Freunde isst man nicht.

Zusammenfassend kann man also sagen, dass keine Not bestünde, Tiere auf einer einsamen Insel zu essen. Gäbe es dort wirklich Tiere, gäbe es auch essbare Pflanzen. Gäbe es weder das Eine, noch das Andere, sollten wir lieber aufpassen, uns selbst nicht aufzuessen!

Veganer essen meinem Essen das Essen weg

Einer der Klassiker, welcher aber mit wenigen Worten widerlegt werden kann. Was bekommen denn Tiere in der Nutztierhaltung zu fressen? Möglichst billiges, reichhaltiges und mit Chemie und Gentechnik optimiertes Futter. Vorzugsweise Soja, Weizen und Fischmehl. Hinzukommen Leckereien wie Antibiotika. Schaut nun wirklich nicht aus wie der normale Speiseplan eines Veganers.

Um ehrlich zu sein, haben wir auch noch keine Tiere gesehen, die morgens ein leckeres Müsli bekommen. Oder Abends selbstgemachten Salat mit Dressing und dazu Soja-Geschnetzeltes. Also mal wirklich: Wo genau essen Veganer denn den Tieren das Essen weg?

Und wenn wir jetzt eine Hungersnot hätten, müsstest du auch alles essen, um zu überleben

Nehmen wir mal an, wir hätten jetzt wirklich eine Hungersnot. Welche Lebensmittel hat denn z. B. die Bundesregierung tonnenweise als Reserve für eine solche Situation gebunkert? Kleiner Tipp: Es sind weder Broiler, noch Würstchen oder Schnitzel, sondern viele verschiedene Getreidearten. Insofern sollten sich Fleischesser lieber die Frage stellen, ob sie denn bereit wären, in einer solchen Situation nur noch leckeren Brei zu essen!

Bleiben wir aber mal realistisch. Es kommt doch nicht von heute auf morgen zu einer Hungersnot. So etwas kündigt sich meistens lange genug an. Man hätte also genügend Zeit, seine heimischen Vorräte aufzustocken. Auch hier empfiehlt es sich auf haltbare, ungekühlte Lebensmittel zurückzugreifen. Und welch ein Wunder, auch hier sind es wieder die pflanzlichen Lebensmittel, welche im Vordergrund stehen. Reis, Bohnen, Nudeln, Kartoffeln, Zwiebeln, Mais, Linsen usw. Niemand, aber auch wirklich niemand würde seine Krisenvorräte mit Bratwürstchen, Scheibenkäse oder Joghurt auffüllen. Und falls doch, tja … dann viel Glück!

Der Mensch hat schon immer Fleisch gegessen

Folgende Dinge haben Menschen auch schon immer getan:

  • sich gegenseitig ermordet, vergewaltigt und misshandelt
  • Kriege geführt
  • sich belogen, betrogen und hintergangen
  • andere (schwächere) Menschen ausgebeutet und versklavt
  • im Namen ihrer Götter gemordet und gefoltert
  • und so weiter und so fort

Die Liste könnte viel länger sein. Und wir alle wissen, dass genau diese Dinge absolut menschenunwürdig sind. Nur weil man etwas schon immer getan hat, heißt das noch lange nicht, dass es auch das Richtige ist! Das gilt ebenso für grausame Traditionen. Stierkämpfe, Hundeschlachtfestivals in China, großangelegte Jagden oder kleinere Traditionen wie Gänsereiten. Jeder, der das hier ließt, hat sich bestimmt schon einmal über eine solche “Tradition” aufgeregt oder eine Petition unterzeichnet. Würde man euch nun mit dem Satz: “Aber das haben Menschen schon immer so gemacht!” konfrontieren, würdet ihr diesen Satz dann als Rechtfertigung und Begründung durchgehen lassen? Falls die Antwort “Nein” lautet, dann habt ihr das Prinzip verstanden, weshalb auch Veganer einen solchen Satz nicht akzeptieren, da er keinerlei Rechtfertigung für den Konsum von Fleisch ist.

Höhlenmenschen haben auch Fleisch gegessen

Der damalige Mensch musste alles essen, was er finden konnte. Es gab keine Supermärkte, keine Online-Shops oder Lieferdienste und wenn man seine Nachbarn nach etwas essbarem gefragt hätte, hätte man mit Sicherheit sofort eine mit der Keule auf den Kopf bekommen. Ebenso haben die damaligen Tiere das Klima nicht mal annähernd so stark belastet wie heute. Auch gab es keine Schlachthöfe, riesige Fabriken und Ställe und es wurde auch kein Antibiotika tonnenweise eingesetzt. Auch wurden die Menschen damals keine 100 Jahre alt. Heutige Zivilisationskrankheiten durch den Fleischkonsum wie Übergewicht, Bluthochdruck, Krebs, Arthrose und Osteoporose brachen entweder nicht aus und wenn doch, hat es sowieso niemand mitbekommen, geschweige denn auf den Konsum von Fleisch zurückgeführt.

Aber zurück zum Thema. Auch dieses Argument kann ganz einfach abgehakt werden. Damals hieß es nicht: Fleisch oder kein Fleisch, sondern ob man den aktuellen Tag überleben kann oder nicht. Moral und Gewissen, ethische Gründe, Umweltbelastung und all diese Punkte spielten damals überhaupt keine Rolle. Ebenso waren sie den Höhlenmenschen auch nicht bewusst. Sie konnten weder lesen, noch schreiben oder gescheit sprechen. Insofern sollte man sich vielleicht nicht zu oft mit eben diesen Höhlenmenschen vergleichen!

Weitere klassische Vorurteile über den Veganismus könnt ihr hier nachlesen!

Hier geht es zum zweiten Teil.

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  • Marcus & Elisabeth & Julia
Von | 2018-04-25T17:23:16+00:00 September 2nd, 2017|News und Aktuelles|0 Kommentare

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