Fleischatlas 2018 – Fleischkonsum und seine katastrophalen Folgen

Der Fleischatlas 2018 ist vor kurzem veröffentlicht worden. Im Grunde kann man seinen Inhalt mit einem Wort zusammenfassen – Katastrophe! Die Tierhaltung wird immer belastender für die Umwelt, die Tiere leiden mehr und mehr, das Fleisch wird immer billiger und die gesundheitlichen Folgen für den Endverbraucher werden durch den zunehmenden Einsatz von Hormonen und Antibiotika immer verheerender. Dennoch wird in diesem Buch auch darüber berichtet, wie sich Tierwohl und Fleischkonsum vereinbaren lassen. Das Töten von unschuldigen Lebewesen wird sich allerdings niemals mit Schutz und Mitgefühl vereinbaren lassen. Hier darf man sich keine Flusen in den Kopf setzen lassen.

Die Tiere müssen verhaltensgerecht untergebracht werden, sie dürfen keine Schmerzen haben, leiden oder sonst wie zu Schaden kommen. So sagt es das aktuelle Tierschutzgesetz.

So formuliert sollte nun wirklich jeder verstehen, was wir damit meinen.

Was drin steht

Kurz und knapp möchten wir euch nun eine Zusammenfassung geben:

  • 17 % des Kalorienbedarfes der Menschheit werden durch tierliche Produkte gedeckt – dafür werden jedoch mehr als 77 % des globalen Agrarlands benötigt, 2/3 davon sind Weideflächen
  • in den letzten 20 Jahren hat sich die Anbaufläche von Soja als Tierfutter auf 120 Millionen Hektar fast verdoppelt
  • diese Mengen sind jedoch nur unter Einsatz von Pestiziden und Dünger zu erreichen, zurück bleiben ausgelaugte Böden, Erkrankungen innerhalb der ansässigen Bevölkerung und Wasserknappheit
  • die 5 weltgrößten Konzerne für Fleisch- und Milchprodukte verursachen mehr klimaschädliche Gase als der Ölriese EXXON
  • der Politik und Weltbevölkerung ist der Zusammenhang zwischen der Erderwärmung und dem Konsum von Fleisch kaum bekannt oder wird ignoriert
  • gerade einmal 40 – 55 % eines Tieres werden verarbeitet – der Rest landet im Müll
  • im Jahr 2017 entstanden in Deutschland ca. 208 Millionen Kubikmeter Gülle, Jauche und Gärreste
  • in der EU werden jährlich 300 Millionen männliche Küken direkt nach dem Schlüpfen getötet, da sie keine Eier legen können und für die Mast zu wenig Fleisch ansetzen
  • jährlich werden 131.000 Tonnen Antibiotika in der Tierhaltung eingesetzt – das sind etwa doppelt so viel wie bei Menschen, bis 2030 wird diese Menge noch einmal um 53 % steigen.
  • durch Genmanipulation sollen die Tierarten dem Nutzen angepasst werden, z. B. Kühe ohne Hörner, Schweine welche gegen die afrikanische Schweinepest immun sind, Kaschmirziegen mit längeren Haaren usw.
  • Insekten werden als neues Superfood beschrieben, sowohl für Mensch als auch Tier
  • Laborfleisch als Alternative verbraucht mehr Energie als Tierfleisch

Ein wenig Positives gibt es aber auch:

  • seit 2011 sinkt der Fleischkonsum in Deutschland Jahr für Jahr
  • in den letzten 10 Jahren hat sich der Anteil der Vegetarier verdoppelt

Natürlich könnten wir an dieser Stelle auch auf neue Tierschutzlabel und mehr Bemühen um Tierschutz eingehen. Wie aber oben schon geschrieben wurde, lassen sich der Konsum von Fleisch und Tierschutz nun wirklich nicht vereinbaren. Dennoch sind die Anstrengungen der Politik deutlich gestiegen, den Verbraucher zu weniger Fleischkonsum anzuregen. Und genau das sagt auch der Fleischatlas aus. Die Menschheit muss weniger Fleisch essen, sonst könne man die wachsende Weltbevölkerung eines Tages nicht mehr ernähren. Hinzukommen die steigenden Belastungen für Umwelt und Klima. Die Folgen sind Ernteausfälle, Naturkatastrophen und schwerwiegendere Erkrankungen für die Bevölkerung. Vor allem die Gefahr durch multiresistente Keime wird immer größer.

Etwas weniger ist leider nicht genug

88 % der deutschen Bevölkerung würden mehr Geld ausgeben, wenn das Fleisch aus verantwortungsvolleren Quellen stammen würde. Da ist es schon fast irrwitzig, dass mehr als 98 % des verzehrten Fleisches in Deutschland aus der Massentierhaltung kommt. Es stammt somit von Tieren, die auf erbärmliche Art und Weise ihr kurzes Leben verbringen mussten. Auch Bio-Fleisch ist kaum besser. Hier wird oft nur um ein paar Zentimeter mehr Platz oder Auslauf diskutiert. Eine wirkliche Verbesserung für das Tier ist kaum erkennbar.

Auch wird darüber geschrieben, die zusätzlichen Kosten für Umwelt und Klima auf den Fleischpreis mit aufzurechnen. Bisher ist dies leider nicht der Fall. In der Politik wird bereits darüber diskutiert, keine ermäßigten Mehrwertsteuersätze auf Produkte zu gewähren, welche der Umwelt schaden. Parallel dazu sollte Produkten ohne tierliche Zutaten (z. B. Pflanzenmilch) eben dieser ermäßigte Mehrwertsteuersatz erlaubt werden.

Hier noch einige Zitate.

Deutlich weniger als die Hälfte aller Milchkühe und Mastrinder in Deutschland dürfen auf die Weide.

Um sie zu füttern, werden viele Hunderte Millionen Nutztiere auf Kosten des Anbaus von Lebensmitteln für Menschen ernährt.

Zu viele Tiere, zu viel Stickstoff: Auch wenn die Überdüngung endet, werden Europas Böden Jahrzehnte brauchen, um sich zu erholen.

Die Erde kann die Welt ohne Weiteres ernähren – nur darf fruchtbares Land nicht für Futter- und Energiepflanzen vergeudet werden.

Wälder werden zu Weiden, Weiden zu Äckern, Äcker zu Städten – Landnutzungsänderungen sind kaum rückgängig zu machen.

Oft als Futterbeigabe oder seltener tierärztlich verordnet, wandern die Antibiotika vom Stall ins Fleisch, in die Gülle und in die Gewässer.

Natürlich gibt es immer noch genügend Menschen da draußen, welche der Meinung sind, all dies würde ja gar nicht stimmen und sei sinnlose Panikmache. Hoffentlich werden sie bald erkennen, dass sich unbedingt etwas ändern muss. Auch das viel zu oft gehörte Argument: “Essen ist Privatsache!” dürfte an dieser Stelle als Unfug erkennbar sein. Denn die Auswirkungen auf Klima und Umwelt betreffen schließlich uns alle. Ganz egal, wo wir wohnen und was wir essen.

Zeit zum Handeln!

Wer sich den kompletten Bericht einmal selber durchlesen möchte, kann dies hier tun. Fleischatlas 2018

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Von | 2018-03-20T15:29:26+00:00 Januar 11th, 2018|News und Aktuelles|0 Kommentare

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