“Fleisch aus Biohaltung kann man bedenkenlos kaufen!”

“Hier ist doch ein Tierwohllabel drauf. Dann muss es den Tieren doch gut gegangen sein!”

… getötet, verpackt und gegessen werden sie aber trotzdem!

Tierwohl hat nichts mit Schlachten zu tun

Egal, ob Biofleisch oder Tierwohllabel. All diese Wörter oder Zustände ändern an einer großen Tatsache rein gar nichts: Die Tiere werden trotzdem getötet und ausschließlich für den Zweck des essens gehalten. Damit das Gewissen der Menschen aber etwas beruhigt werden kann, hat man sich eben diese hippen Begriffe einfallen lassen, um den Konsum auch weiterhin zu rechtfertigen. Hierbei sollte man sich aber einige wichtige und zentrale Fragen stellen:

  • Wie kann etwas mit Tierwohl in Verbindung gebracht werden, wenn die Tiere dafür sterben müssen?
  • Biofleisch ändert auch nichts an der Tatsache, dass die Tiere dafür sterben müssen und teilweise erbärmlich gehalten werden (Ja, trotz Bio kann die Haltung extrem schlecht ausfallen. Die Unterschiede hierfür sind so minimal, dass es im Grunde kaum auffällt. Natürlich gibt es hier verschiedene Abstufungen mit unterschiedlichen Anforderungen. Demeter hat z. B. sehr hohe Anforderungen. Auch wenn es um Obst oder Gemüse geht. Ändert aber auch hier nichts an der Tatsache, dass die Tiere trotzdem sterben müssen.)
  • Laut dieser Standads mit Biofleisch und Tierwohllabel scheint es legitim, dass Lebewesen Schaden zugefügt werden kann (bis hin zum Tod), wenn sie im Vorfeld anständig gehalten wurden.

Laut dieser Logik scheint es also in Ordnung zu sein, jemanden zu töten, wenn er im Vorfeld ein angenehmes Leben hatte bzw. den eigentlichen Vorgang des Tötens nicht bewusst erlebt. Bauern beispielsweise schießen ihre Tiere direkt auf dem Feld und begründen auch hier, dass es in Ordnung sei, denn das Tier würde diesen (hoffentlich gut platzierten) Kopfschuss nicht mehr wahrnehmen. Aber auch hier darf man sich nicht täuschen lassen. Ja, das Tier stand frei auf der Wiese und hatte frisches Gras und ja, es bekommt den Kopfschuss (vielleicht) nicht mit. Trotzdem sind diese Gründe keine Erlaubnis, das Tier dennoch zu töten. Völlig egal, wie gesund und glücklich ein Mensch auch ist, sollte ihm Schaden zugefügt werden würde dies nie als strafmildernd anerkannt werden, wenn er eben ein gutes Leben vorher hatte. Was davor passiert soll nicht über das hinwegtrösten, was einem Lebewesen im Anschluss angetan wird. Und wenn jemand getötet wird, kann dies nie im Leben mit Tierwohl in Verbdinung gebracht werden!

Biofleisch hat verschiedene Anforderungen

Nur weil Bio draufsteht, muss noch lange kein Bio drin sein. Regelmäßig machen neue Skandale die Runde, in denen angebliche Biobetriebe ihre Tiere zusätzlich zur normalen Haltung quälen und wie Abfall behandeln. Schaut man sich die Bio-Richtlinien an, haben diese kaum Einfluss auf eine bessere Haltung oder gehen sehr stark auseinander:

  • Praktiken wie Enthornung der Kühe bleibt größtenteils erlaubt. Männliche Ferkel dürfen nur mit Betäubung kastriert werden.
  • Kälber werden nach ihrer Geburt trotzdem von der Mutter getrennt. Jedoch ist die Haltung in Einzelboxen verboten. Hier ist eine Gruppenhaltung vorgesehen. Bioland schreibt vor, dass die Kälber mindestens einen Tag nach ihrer Geburt noch bei der Mutter bleiben sollen.
  • Ein Mastschwein mit weniger als 50 kg erhält in allen Bio-Betrieben mindestens 0,8 Quadratmeter Stallfläche und zusätzliche 0,6 Quadratmeter Außenfläche. Diese Mindestfläche steigert sich mit dem Gewicht des Tieres bis zu 1,5 Quadratmeter Stallfläche und 1,2 Quadratmeter Außenfläche für Schweine mit über 110 kg Gewicht.
  • Tiere dürfen maximal 4 Stunden oder 200 km am Stück transportiert werden. Hier dürfen keine Elektroschocker zum Einsatz kommen.
  • Antibiotika ist verboten, darf jedoch im Einzelfall eingesetzt werden.
  • Über die Haltung von Hühnern könnt ihr euch hier ein Video anschauen.

Bio ändert nichts an Quälerei

Darf man ein Tier töten, nur weil es vorher “glücklich” war? Wer entscheidet das eigentlich? Die Antwort ist ganz einfach – wir tun dies! So wie wir kaufen und essen bestimmen wir, wie sich unsere Umwelt entwickelt und die Tiere gehalten werden. Wenn es erst bestimmte Organisationen und Tierlabel geben muss, welche Elektroschocker, Kükenschreddern, betäubungsloses Kastrieren der Ferkel und das Transportieren der Tiere über mehrere hundert Kilometer oder mehr als 20 Stunden am Stück verbieten müssen, dann sollte hier eigentlich schon auffallen, wie mit den Tieren umgegangen wird. Und das alles nur, damit Menschen ihr Fleisch weiter essen können? Dafür wird den Tieren dieses enorme Leid angetan? Daran können leider auch Biolabel kaum etwas ändern. Die Tiere sterben trotzdem, die Haltung schadet auch weiterhin der Umwelt und gängige Praktiken, wie oben genannt, werden weiterhin durchgeführt. Es ist auch unmöglich, jeden Betrieb regelmäßig zu kontrollieren um sicherzustellen, dass die mit dem Label einhergehenden Maßnahmen eingehalten werden. Die einzige sichere Kontrolle die ermöglicht werden kann ist die, sich zu informieren. Was wird unter welchen Bedingungen gehalten und verarbeitet. Nur wir allein können die Richtung bestimmen. Unser Konsumverhalten gibt den Firmen vor, wie sie zu handeln haben. Schreitet hierbei keiner ein, wird es natürlich so weitergehen. Wo kein Kläger, da kein Richter!

„Das Schweinesystem“: „Der Tierschutz, der den Tieren Leid und Schmerz ersparen soll, steht auf dem Papier. In den Ställen stehen millionenfach kranke Tiere. Und in den Regalen und Kühltruhen der Supermärkte liegen ihre Produkte, von denen fast alle, die sie kaufen, glauben, es wären Lebensmittel von gesunden Tieren. Denn Krankheit ist keine deklarationspflichtige Zutat.“ Matthias Wolfschmidt, Tierarzt, aus seinem Buch „Das Schweinesystem“